Aetas Tertii Millennii – Quo Vadimus?
Wohin gehen wir im dritten Jahrtausend?
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…
Mit diesen Worten beginnt Publius Ovidius Naso im ersten Buch seiner Metamorphosen die Erzählung von den vier Zeitaltern der Menschheit. Am Anfang steht das goldene Zeitalter, eine Zeit des Friedens, der Freiheit und des Vertrauens. Die Menschen lebten ohne Zwang und ohne Furcht, und das Rechte geschah aus freien Stücken, ohne dass es der Gesetze bedurfte.
Das Kunstwerk „Aetas Tertii Millennii – Quo Vadimus?“ greift Ovids antike Vorstellung der aufeinanderfolgenden Weltzeitalter auf und überträgt sie in die Gegenwart.
Vier Bilder zeigen denselben Schauplatz: die Kärntner Straße in Wien. Sie stehen für die ersten vier Jahrzehnte des dritten Jahrtausends.
Das erste Bild führt zurück in die 2000er-Jahre. Die Straße ist voller Leben, die Sonne scheint, die Menschen begegnen einander. Mobiltelefone und Laptops gehören bereits zum Alltag, doch die digitale Welt hat die Aufmerksamkeit der Menschen noch nicht vollständig in ihren Bann gezogen.
Im zweiten Bild, den 2010er-Jahren, hat sich die Szenerie verändert. Die Straße ist weiterhin belebt, doch der Blick des Menschen richtet sich zunehmend auf das Smartphone. Die Welt um ihn herum bleibt bestehen, während seine Aufmerksamkeit anderswo verweilt.
Das dritte Bild steht für die 2020er-Jahre, die gleich mit einer Pandemie begannen. Sie brachte das öffentliche Leben zeitweise zum Stillstand. Geschlossene Geschäfte, verlassene Gastgärten und ein einsamer Mensch mit Schutzmaske prägen das Bild. Ein historischer Einschnitt, den man heute mitunter lieber für erledigt erklärt, als sich mit seinen Entscheidungen und Folgen ernsthaft auseinanderzusetzen. Doch unbeantwortete Fragen verschwinden nicht dadurch, dass man sie nicht stellt. Früher oder später werden sie wiederkehren.
Das vierte Bild schließlich richtet den Blick auf die Zukunft, insbesondere auf die kommenden 2030er-Jahre. Die Zukunft liegt im Nebel. Was sie bringen wird, bleibt offen.
Die Bildfolge ist keine historische Chronik und ebenso wenig eine Vorhersage. Sie greift eines der ältesten Motive menschlichen Erzählens auf: die Vorstellung eines verlorenen goldenen Anfangs, eines Paradieses. Schon Jahrhunderte vor Ovid erzählte Hesiod vom goldenen Zeitalter, und verwandte Vorstellungen reichen bis in die Mythen des Alten Orients zurück.
Wer die Bedeutung der vier Zeitalter bei Ovid kennt, wird in den Bildern möglicherweise mehr erkennen als bloß den Wandel einer Wiener Einkaufsstraße. Wer sie nicht kennt, dem sei die Lektüre des ersten Buches der Metamorphosen empfohlen.
Quo vadimus?